Lebschèe - Malerische Topographie
|
|
München |
|

K.HAUPT U. RESIDENZ-STADT MÜNCHEN
München, die Hauptstadt des Königreiches Bayern, liegt unter 48° 8' 20'' Nördlicher Breite und 20° 13' 30'' Oestlicher Länger, 1020 Pariser oder 2136 Bayrischer Fuss über dem Spiegel des Adriatischen Meeres, am linken Ufer der Isar, eigentlich in dem frühreren Rinnsaale dieses wilden und reisenden Gebirgsstromes.
Ueber Münchens Vorzeit und seine erste Entstehung ist ein dichter Nebel verbreitet. In einer Freisinger Urkunde unter den Agilolfingern Tassilo und seinem Sohne Theodor von dem Jahre 782 kommen Schwabing (Swabinga) und Sendling (Sentilinggas) mit der Andeutung vor, daß bei und zwischen diesen Ortschaften noch Wälder und öde Gründe gelegen seyen. Zuerst in dem Traditions-Buche des Klosters Tegernsee finden wir in den Jahren 1134 bis 1154 einen Dietrich von Munichen. Dem hochherzigen Welfen Heinrich dem Löwen war es vorbehalten, dem unbekannten Orte größere Wichtigkeit und freudiges Emporkommen dadurch zu verschaffen, daß er das, damals wichtige und reiche, Freisingishe Veringen überfiel, nebst der Brücke zerstörte, und Markt, Münze, Salz-Niederlage, Straßen- und Brückenzoll gewaltthätig nach München übersetzte, wo sie auch durch Vergleich vom 14. Juni 1158 verblieben. Die ersten Wittelsbacher, welche meistens Köllheim und Landshut residierten, thaten wenig für die junge Stadt, und ihr Aufblühen wurde aus eigenen Kräften durch Handel und Gewerbe gegründet. Ludwig dem Strengen, dem sie durch Theilung von 1255 zugefallen war, und der seine Residenz dahin verlegte; dem Erbauer des Alten Hofes und seinen Söhnen Rudolph und Ludwig dem Bayer verdankt sie Zuwachs an Bevölkerung, Erweiterung und Verschönerung, Freiheiten und Rechte. Es entstanden die alten, innerenund die neuen, äußern Thore, Mauern, zum Theil noch sichtbar, und Gräben. Alle nachfolgende, hier residierende, Herzoge, vorzüglich seit dem großen Kurfürsten Maximilian I. durch Candid. Krumper u. a., bis Karl Theodor durch Rumford, trugen zur Erweiterung und Verschönerung Vieles und Großes bei.
Unter König Maximilian Joseph I. entstand, man darf es ohne Untertreibung behaupten, ein neues München. Die Festungswerke verschwanden, die Wälle wurden eingeebnet, an ihre Stellen traten neue Anlagen, alte Strassen wurden erweitert, mitneuen verbunden, ansehnliche freie Plätze geschaffen, Staatsgebäude, Paläste und andere Privathäuser in einem besseren Geschamk erbaut u.s.w. WasKönig Maximilian I. herrlich begonenn hat, setzt König Ludwig großartig und beharrlich fort. Dem patriotischen Magistrate der Haupt- und Residenzstadt gebührt das ungeheuchelte Lob daß derselbe bei allen Anstalten zur Erweiterung, Verschönerung und Bequemlichkeit in seinem Wirkungskreise thätig beitrage.
Stadt und Umgebung haben wenig der hier kargen Natur: das meiste mühsamer und kostbarer Kunst zu verdanken, und des Schwedischen Königs Gustav Adolfs Bemerkung: »München gleiche einem goldnen Sattel auf einen mageren Gaul« bleibt noch immer richtig.
Die Stadt wird durch zwei Hauptstrassen-Linien in vier Viertel abgetheilet: das Graggenauer-Viertel gegen Nord-Ost, das Kreuz-Viertel gegen Nord-West, das Anger-Viertel gegen Süd-West, und das Hacken-Viertel gegen Süd und Süd-Ost.
Sie hat 7 Thore und 4 Nebenthore, diesseits der Isar 208 Strassen und Gassen, 20 öffentliche Plätze, 22 katholische Kirchen, einschlüssig der im Bau begriffenen Aller-Heiligen-Hof- und Ludwigs-Pfarrkirche, 1 protestantische, 1 griechische Kirche und 1 Synagoge; jenseits der Isar 54 Strassen und Gassen, 1 öffentlichen Platz und 5 katholische Kirchen. Zu Ende des Jahres 1829 war die Bevölkerung folgende: In der eigentlichen Stadt mit den fünf Vorstädten am linken Ufer der Isar, Maximilians-, Ludwigs-, Isar, St. Anna-Vorstadt und Schönfeld in 3708 Häusern 79530 Einwohnern; am rechten Ufer der Vorstadt Au, mit Giesing, auf den Lüften und Haidhausen in 974 Häusern 16188 Einwohnern, zusammen 4682 Häusern 95718 Einwohner.