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Stadtgründungsfest

Lebschèe - Malerische Topographie

Lebschèe - Malerische Topographie

Der Marktplatz

Maximilians-Platz

Marktplatz

MARKTPLATZ.
Schrannenplatz

Zur Zeit, wo die Haupt- und Residenzstadt München noch um die Hälfte weniger Einwohner gezählt hat als jetzt, war auf dem kleinen Platze vor dem Rathaus-Gebäude der tägliche Eyer. und Geflügelmarkt, gegenüber der Kräutermarkt, um die Marien-Säule die wochentliche Gedreide-Schranne, deren Ueberreste theils unter den Bögen der Kornmesserhäuser eingestellt wurden, theils unter dem Platze stehen blieben, und an dem großen Röhrbrunnen war der Fischmarkt. Jetzt ist alles dieses zweckmäßig entfernt, bis auf die Schranne, welche sich weit in die nächsten Straßen auf- und abwärts ausbreitet. Für das unverkauft bleibende Gedreid ward endlich vom Magistrat ein eigener Bewahrungsort ausgemittelt.

Das links des Platzes von der Hauptwache aus sich zeigende große Gebäude entstand nach und nach im 16ten und 17ten Jahrhunderte durch Ankauf mehrerer kleiner Häuser, wovon eins dem Kloster Benediktbeuren gehörte, zum Zwecke der Verhandlungen damaliger, mit großen Rechten und Freyheiten begabter Landschaft in Bayern. Diese bildete einen Ausschuß sämtlicher Landesstände, alle Unterthanen vertretend, und aus 4 Verordneten aus dem Prälatenstande, 8 aus dem Adel, 4 aus dem Bürgerstande, mit den nöthigen Rechnungsaufnehmern, bestehend. Ehevor kamen diese Landstände an verschiedenen Orten der Stadt zusammen, und vertrauten Klöster ihre Akten zur Bewahrung. Im Jahre 1514 hielt die bayer'sche Landschaft ihre ertsen Sitzungen in diesem Gebäude. Nach ihrer Auflösung verlegte man im Jahre 1808 das General-Kommissariat (später die Regierung) des Isarkreises dahin, so wie das Eckhaus am Eingange in die Dienergasse mit dem Erker, welches das Magistrat schon zu Anfang des 15ten Jahrhunderts gekauft, und bisher zu einer bürgerlichen Trinkstube mit einem Saale (ehemals Bürgerstube genannt) verwenden ließ. Unter den Bögen derselben übt das Ewiggeld-Institut sein strenges öffentliches Recht der Häuser-Vergantung durch Ausstecken an dem Spanne.

Der ehemalige Fischbrunnen dient alljährlich am Fasching-Montag zu einer, sich in das Dunkel der Vorzeit verlierenden Volksbelustigung, welche hier die bürgerliche Metzgerzunft an ihrem Jahrtage, nach einem feyerlichen Umzuge durch die Strassen der Stadt, und nach öffentlicher Freysprechnung ihrer Lehrjungen, durch das Brunnenspringen bey Anwesenheit einer großen Menschenmenge zu sehen pflegt.

Das jetzige Rathaus des Magistrats, nebst dem Thurme, wozu das ehemalige Thalburger-, oder untere Thor, dann einige angekaufte Privathäuser verwendet wurden, dürfte um die Mitte des 15ten Jahrhunderts erbaut seyn. Dasselbe dehnt sich von dem Eingange in die Burggasse rückwärts gegen das Thal, und von vorn hinüber bis auf St. Peters Kirchhof. Es hatte im Erdgeschoße schwere Gefängnisse mit der Reck- (Folter-) Kammer für das Stadtoberrichteramt, dann das Brodhaus am ersten Thorbogen. Eine große Stiege führt beym zweiten Thore von der Straße in den geräumigen, mit hohen Fenstern vor- und rückwärts versehenen Rathhaussaal. Hier versammelten sich in guter alter Zeit, besonders zur Faßnacht, Münchens Bürger zum fröhlichen Tanze, wie auf der Trinkstube zum frugalen Mahle, wo selbst die Landesregenten durch ihre Gegenwart sie beglücken, mit ihren Weibern und Töchtern tanzten. Herzog Wilhelm V. hielt mit seiner Gemahlin Renata im Jahre 1568 in obigem Saale den Ehrentanz. Von den mittleren Bogenfenstern ward nach Läutung des Zügenglöckleins am Rathhausthurme das Todesurteil den Verbrechern öffentlich verkündet, und der Stab über sie gebrochen. Jetzt wird der Saal nur mehr zu Schulpreis-Vertheilungen, und Ziehungen der Münchner Zahlenlotterie verwendet. In diesem weitschichtigen Gebäude ist auch der Leinwandkeller, die Stadtwaage, und rückwärts die untere Fleischbank, statt der uralten hölzernen, mitten auf dem Marktplatze einst befindlichen.

An der rechten Seite des Thurmes steht zunächst das Haus, an welchem die kolossale Abbildung des heil. Onuphrius zu sehen ist, ganz nackt, mit weisen Haaren und derley langem Barte, eine goldenen Krone auf dem Haupte, ein Wetterkreuz in der rechten, einen Knotenstock in der linken Hand. Auf einem Steine links steht die Jahreszahl „1496,“ und „renoviert 1754,“ darunter auf einem anderen Steine „Zum zweytenmale renoviert 1818.“ Nebst dem Namen des Males, Barthl. Aichinger, befindet sich noch dabey die Anrufung dieses Heiligen in sechs gereimten Knittelversen. Der Volkswahn nennt ihn aber in gemeiner Mundart blos den „großen Stoffel (Christoph) am Eyermarkt.“ Indes ist die Uebersiedelung der Verehrung dieses heiligen Einsiedlers aus dem Orient zu uns dem Schöpfer von München, Herzog Heinrich dem Löwen, bey seinem, mit geringen Streitkräften geglückten Zuge nach Palästina im Jahre 1171 zuzuschreiben. Ihn hatte sich der tapere und gottesfürchtige Fürst sinnlich zu seinem Geleitsmanne erkoren, auf der Rückreise über Konstantinopel durch Panonien. Gebeine und Abbildung desselben aus dem Kloster des heil. Alerius mit sich führend. Erstere wurden in der Burgkapelle zu München nach der Ankunft zur Verehrung ausgesetzt. Nachdem aber im Jahre 1327 eine gräßliche Feuersbrunst die St. Peters-Pfarrkirche, und den dritten Theil der Stadt zerstörte, folglich auch die alte, holzreiche Burg des Löwen, so ließ der spätere Erbauer des Hauses an der Stätte, wo jene einst gestanden, die Abbildung des heil. Onuphrius auf dasselbe zum ewigen Andenken malen.

In dem nebenstehenden Hause, wo ober einem der mittleren Fenster drey Kronen angemalt sind, soll 1632 des feindlichen Schweden-Königs Gustav Adolf erstes Absteigequartier zur Wechselung der Kleider und Musterung der Truppen gewesen seyn.

Die Hauptzierde des Platzes, auf welchem unter Churfürst Ferdinat Naria die, von Maximilian III. wieder entfernte Hauptwache von Holz stund, bildet das Siegerdenkmal an die Prager-Schlacht vom Jahre1620 unter dem tapferen bayer'schen Regenten Maximilian I., eine Marmorsäule mit der Landes-Beschützerin, der heil. Maria und dem göttlichen Kinde Jesus, aus Erz von Krumper, nebst Inschriften und Verzierungen. Er selbst legte 1638 den ersten Stein, und ließ sie durch den Fürstbischof von Freysing einweihen. Bis hieher sind die geometrischen Entfernungs-Stunden von der Umgebung der Haupt- und Residenzstadt gemessen.