Lebschèe - Malerische Topographie
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Neuhauser- und Kaufingerstrassen. |
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NEUHAUSER UND KAUFINGER STRASSE
| K.Acadmie der bild. Künste | St. Michaels Kirche | Mauthalle | Rathhaus Thurm | St. Peters Thurm |
Die Neuhauserstrasse leitet ihre Benennung von dem benachbarten uralten Dorfe Neuhausen her. Von dem Neuhauser- (Karls) Thor an bis zum ehemaligen Jesuiten-Gebäude ist nur links der, im Jahre 1710 vollendete Bürgersaal sehenswürdig, ein freundlicher für die Andachten und Versammlungen der Bürgerkongregation bestimmte Saal ohne Säulen, zu welchem man über zwey Seitentreppen hinaufsteigt, mit einem schönen Plafond von Knoller geziert.
Das ehemalige Jesuitenkollegium wurde von ihrem großen Freunde, dem Herzog Wilhelm V. in den Jahren 1582 bis 1597 erbaut, mit einer Pracht, welche die mehrmals wiederholte Vergleichung mit dem spanischen Escorial rechtfertigt; aber auch mit einem die damaligen Kräfte der bayerischen Finanzen weit übersteigenden Aufwande: wogegen die vereinten dringendsten Vorstellungen des Ministeriums, des Hofes, der Landschaft und selbst der herzoglichen Mutter, der frommen Anna von Österreich fruchtlos blieben.
Die Kirche zum heiligen Michael, eine nunmehrige Hof- und zugleich Militärkirche, hat 248 Fuß in der Länge, und 114 Fuß in der Breite. Ihr Inneres bildet ein Schiff, welches, ohne Säulen, mit einem, jedem Beschauer überraschenden, halbzirkelförmigen Tonnengewölbe bedeckt ist. Schon anderswo ist richtig bemerkt worden, daß ungemein kühne und großartige Verhältnisse mit leichten, zarten und Anmuthigen gepaart, dem vorherrschenden Typus in der Baukunst dieses herlichen Tempels bilden. Die Ordnung der hohen Pilaster ist korintisch mit vergoldeten Kapitälen, eben so zierlich als massiv. Ueber den Pilastern füllt eine Attila- Ordnung den Raum bis zu dem Gewölbe. Zwischen und über den Pilastern befinden sich in den Nischen lebensgroße Engel von Gyps, die Embleme der Passion haltend, und vorn über dem Chor zwey Reihen von Statuen der Propheten, Apostel und Evangelisten. Der Hochaltar und die Seitenaltäre enthalten Gemälde von Christoph Schwarz, aus Rubens Schule, von Titian, Hanns von aachen und Candido. Der Kirchen-Schatz an Juwelen und Perlen, Kunstwerken von Elfenbein und Ebenholz, reichen Ornamenten und Parnamenten gränzte an das Unglaubliche. Das reine Gold wurde auf 37 Pfund, das Silber auf 62 Zentner berechnet. Baumeister des Kollegiums und der Kirche war der Steinmetz Wolfgang Müller in Bayern, ein wahrlich großer Architekt, der aber vor der gänzlichen Vollendung starb. Diese wurde dem Andreas Gundelfinger übertragen; jedoch schienen auch jesuitische Diletanten, der Rektor Simon Heindel mit einigen Layenbrüdern an dem Werke gestümpert zu haben. Dieses ist besonders an der gegen die Neuhauserstrasse gekehrten Hauptfacade der Kirche sichtbar, welche ungeachtet der vielen bis zum höchsten Giebel reichenden Statuen, der zwey hohen Portale von rothem Marmor, und des zwischen denselben aufgestellten kolossalen Standbildes des heiligen Michael nach Candid`s Zeichnung, von dem Weilheimer Hanns Krumper in Bronze ausgeführt, mit der reinen und stillen Größe des Inneren einen höchst widerlichen, schnörkelhaften Kontrast bildet. Unter dem Chor der Kirche befindet sich die zweyte Fürstengruft, worin der fromme Stifter Herzog Wilhelm V. und sein großer Sohn Kurfürst Maximilian I. mit seinen Gemahlinnen, und mehrere Fürsten und Fürstinnen der bayerischen und pfälzischen Linien ruhen. Eine neue und sehr vorzügliche Zierde hat diese Kirche durch das, im laufenden Jahre (1830) aufgestellte, herrliche Monument des zu früh verewigten Herzogs von Leuchtenberg, welchen Ludwig XVIII. das Muster der Fürsten nannte, des wahren Ritters ohne Furcht und Tadel, von Phidias-Thorwaldsen erhalten. Der in einfacher Hoheit vortretende Heros, entkleidet von allen Zeichen des gewohnten Glanzes, nur das Schwert des Feldherrn an der Seite, übergiebt der rechts neben ihm sitzenden und schreibenden Silio den unter Aegyptens Pyramiden, bey Marengo und am Mincio, auf den Feldern bey Raab und bey Maloja-roslawiz hochverdienten und immer vergrößerten, selbst auf Rußlands Schnee-Wässern und am unglücklichen Tage bey Sacile unbefleckt erhaltenen Lorbeerkranz. Zur Linken steht der Genius des Todes mit ausgelöschter, nach unten gekehrter Fackel, das Haupt mit geschlossenen Mohnblumen bekränzt, und die Flügel zur Erde gesenkt. An ihm angeschmiegt, und doch zugleich wie aus seinen Armen sich entwindend, schwebt Psyche mit ausgebreiteten Schmetterlingsflügeln, das Haupt mit aufblühenden Rosen, wie zu einem Feste geschmückt, die Fackel brennend und aufwärts gerichtet. Diese tiefgedachte und mit der bewunderswürdigsten Zartheit ausgeführte Gruppe kann unbedenklich und ohne zu verlieren, den schönsten plastischen Werken dieser Art, die von griechischer Kunst auf uns gekommen sind, an die Seite gestellt werden. Ober dem Haupte des Herzogs sein in allen Fällen unabweichlich befolgter Wahlspruch: Honneur et fidélite, und der Fuß des Grabmahles enthält die einfache und rührende Inschrift:
Heic placide ossa cubant
Eugenii Napoleonis
Regis Italiae vices quondam gerentis.
nat, lutet, Parisior. d. 3. Sept. 1781.
def. Monachii. d. 21. Febr. 1824
Monumentum posuit vidua mocrens
Augusta Amalia
Maximil. Ios. Bav. Regis filia.
Der Eingang in die Gruft der Jesuiten, welche die sterblichen Überreste in verschiedener Rücksicht merkwürdiger Männer verwahrt, ist in der Kreuzkapelle.
Um den außerordentlichen Umfang dieses ehemaligen Jesuitenkollegiums zu beurtheilen, darf man nur in Erwägung ziehen, welche Anstalten für den Staat, die Wissenschaft und die Kunst gegenwärtig hierin Frau finden.
Für den Staat: Das königliche Reichsarchiv, diese unerschöpfliche Fundgrube für die bayerische Geschichte, zuerst unter den Ministerium des Grafen von Montgelas eröffnet. Welche Schätze der Ritter von Lang, der jetzige Vorstand Freyherr von Freyberg und der geheime Rath Freyherr vonHormayr bereits zu Tage gefördert haben, ist den Gelehrten bekannt. Für die Zukunft sind durch deren rastlos fortgesetzte Bemühungen, unter thätiger Mitwirkung der bey dieser Behörde angestellten unermüdeten Geschichtsforscher Hungershausen, Huschberg, Moritz und Zenker, reiche Ernten zu erwarten.
Für die Wissenschaft: Die königliche Hof- und Staatsbibliothek, eine der reichsten und wichtigsten Europas, welche unter vortrefflicher Leitung ihres Vorstandes Director v. Lichtenthaler, und ausgezeichneter Beyhülfe des Bibliothekars Schnettinger und der Kustoden Rott, Krabinger, Schmeler und Schmiedhammer, einer hohen Vollkommenheit immer näher gebracht wird. Sie ist in mehr als sechzig großen und kleineren Sälen, Zimmern und Korridoren aufgestellt, und enthält, nach einem sehr mäßigen Anschlage in runden Zahlen, wenigstens 16000 Handschriften, über 50 rylographische Denkmäler, mehr als 103000 Inkunablen, wenigstens 250000 Werke, wenn jedes Werk nur zu zwei Bänden berechnet wird, wird sich eine halbe Million heraus, weit mehr als100000Dissertationen, gewiß dreymal so viel andere kleine Schriften. Unter der besonderen Abtheilung Semilien wir ein zahlreicher und höchst dedeutender Schatz von Handschriften bewahrt, welche wegen ihres hohen Alterthums, als Autographa, durch kunstreiche Gemälde, in Rücksicht ihrer kostbaren Einbände von Gold und Silber mit Edelsteinen besetzt, vorzügliche Aufmerksamkeit verdienen.
Das reiche, besonders durch die ihm einverleibte cousinysche Sammlung merkwürdige königliche Münzkabinett, dessen Geschichte von dem würdigen Konservator Bischofe und Domprobste von Streber vortrefflich beschrieben worden ist.
Die königliche Akademie der Wissenschaften, mit dem Sitzungssaale, den Bureaus des Präsidenten und der Klassen-Sekretäre, den naturgeschichtlichen und mathematisch-physikalischen Sammlungen, dem brasilianischen Museum und der mechanischen Werkstätten.
Die königliche Ludwigs-Maximilian-Universität durch die ruhmbekränzten Männer, ihrer Professoren Ast, Buchner, Döllinger, Dresch, Fuchs Gärres, Mannert, Martius, Maurer, Ohm, Ringseis, Röschlaub, Schilling, Schubert, Thirsch, Waklther ec. weit über Europas Gränzen hinaus berühmt, mit ihren Hörsälen, ihrer reichen Bibliothek, dem Ueberreste des Orbanischen Saales, der Kanzley ec.
Das philosophische Seminar.
Für die Kunst: Die königliche Akademie der bildenden
Künste, unter Kurfürsten Maximilian Joseph III. 1759
gegründet, unter König Maximilian I. 1805 in
gegenwärtigen Stand umgeformt, von dem verdienstvollen
Direktor von Langer vortrefflich eingerichtet, unter der
Direction des großen Malers Cornelius, von dem um die
Kunst hochverdienten Professoren Amsler, Eberhard,
Gärtner, Heß, Schorn und Zimmermann, auf eine hohe Stufe
der Vollendung gebracht, mit dem großen und dem
kleineren Antikensaale, den Zimmern zur Modellzeichnung,
zur malerischen Komposition, für Bilderhauekunst,
Architectur und Kupferstecherkunst ec. Dieses Local wird
auch zu der in jedem dritten Jahre stattfindenden
Kunstausstellung benützt.
Die ungemein reichhaltige, von dem, durch seine Monogrammen-Kenntnisse rühmlich bekannten Inspector Brulliot auf das zweckmäßigste geordnete Kupferstich-Sammlung.
Das vormahlige Jesuiten-Collegium wird von dem vormaligen Kloster der Augustiner-Eremiten nunmehr königlicher Justizpalast, worin das Justizministerium , das Oberappelationsgericht und das Stadtgericht ihre Sitzungen halten, und die Mauthalle, durch die Weitengasse getrennt.
Auf der entgegengesetzten Seite, vom Neuhauserthor rechts ist das Pschorrische Bräuhaus durch Umfang des Gebäudes und Gewerbes merkwürdig.
Die Benennung Kaufingerstrasse ist wahrscheinlich von den Kaufleuten (Käffl, Sueffl) welche sich zuerst in solcher angesiedelt, und ihr Erwerb getrieben haben, entsprungen. Sie gehört zu den lebhaftesten und gewerbereichsten. In ihr befinden sich die Gasthöfe zum schwarzen Adler und dzum goldenen Kreuz, die Buchhandlungen von Fleischmann, Lentner, Lindauer und die von Herrmansche Kunsthandlung.
Auf dem vorliegenden Blatte sieht man noch die Hauptwache den Rathhausthurm und den oberen Theil des St. Petersthurmes.