Lebschèe - Malerische Topographie
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Das k. Hof- und National-Theater. |
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DAS KÖNIGL. HOFTHEATER
Nachdem durch Aufhebung und Niederreißung der, an den linken Flügel der landesherrlichen Residenzanstoßenden Ridler Nonnen- und Franziskaner Mönch-Kloster ein großer freier Raum (Max-Joseph-Platz) gewonnen worden war, ließ König Maximilian I. in dessen Hintergrund neben dem alten Opernhause durch den Architekten Karl von Fischer und Hofbaumeister Franz von Paula Thurn auf Kosten des Münchner Magistrats ein neues prächtiges Hof- und National-Theater aussführen. Den Grundstein legte hiezu den 12. Oktober 1811 der damalige Kronprinz Karl Ludwig von Bayern. Am 12ten Oktober geschah die glänzende Eröffnung dieser herrlichen Kunsthallen. Allein schon den 12ten Jänner 1823 wurden sie leider ein Raub der Flammen.
Bey der schleunigst beschlossenen Wiedererbauung mit aller inneren Einrichtung hat man die architektonischen Formen des, von Fischer entworfenen ursprünglichen Planes mit wenigen Ausnahmen beibehalten, jedoch die beiden Seitenflügel zu Concerten, Redouten u. d. gl. bestimmt, abermal ganz weggelassen. Schon am 2ten Jänner 1825 ward die zweite Eröffnung des Schaubühne bewerkstelligt.
Das Prachtgebäude ist im schönsten, erhabenen Style mit großer Dauerhaftigkeit ausgeführt, misst 335 Schuhe in der Länge, 185 Schuhe in der Breite, und bis zum Giebel 149 Schuhe. Nach der Länge des äußeren Front-Einganges sind steinerne Stufen, welche zu den 3 Hauptthüren führen, nachdem man den, von 8 hohen und dicken korinthischen Steinsäulen unterstützenden Vorsprung passiert hat, unter welchem auch auf beiden Seiten, wie bey den 2 Nebenthüren an- und abgefahren werden kann. Das Ganze wird äußerlich durch 4 große Candelaber von Eisenguß zur Nacht-Zeit beleuchtet. In der Vorhalle mit ihren 4 Säulen erblickt man rechts und links große Hauptstiegen von Marmor zu den königl. Logen und Appartements, in welchen letzteren während der Carnaval soupiert, und Hofball gegeben werden kann. Von der Vorhalle tritt man in die Fojiers, und über 2 Vorplätze durch 5 Thüren in das Logen haus, einen Zirkel-Raum von 80 Schuhen im Durchmesser haltend, wo man auf beider Seits doppelten Wendeltreppen in die 4 Range und auf die Gallerie kommt. Hinter den umherlaufenden Mittelgängen sind die Garderobe- und andere Zimmer angebracht. In das 66 Schuhe lange und breite Parterre gelangt, begegnet dem Auge zunächst dem schönen Portalvorhange das Proszenium mit kandelierten Säulen geziert, an welchem sich übereinander 3 schmuckvolle Logen für die königliche Familie erheben. An das Proszenium reihen sich ebenfalls übereinander beyder Seits Logen-Brüstungen mir Arabesken-Malereyn versehen. Ober ihnen ist die Volks-Gallerie, oder der sogenannte Iuhe, unter ihnen die Parterre-Gallerie. Die Zahl der Logen beträgt90, jede zu 7 Personen. Das Parterre fasßt 900, die oberste Gallerie 350, das Ganze 2060 Personen auch noch darüber. Im Hintergrunde, in gerader Richtung auf die Schaubühne, erhebt sich im prachtvollsten Glanze die königliche Hauptloge, welches Alles vereinigt, was Kunstsinn, Zierlichkeit, Fleiß in der kurz bedungenen Zeit zu liefern im Stande war. Das Ganze Innere des Theaters wird ausser dem Spiele durch einen herablassenden Luster erhellt; bey feyerlichen Gelegenheiten kann dirch mehrfache Wandleuchter, an den Logen-Wänden von Aussen angebracht, der blendende Lichtschimmer mit jenem vereinigt werden. Die Bühne selbst ist 100 Schuhe breit, 90 Schuhe lang, mit 16 Coulissen-Reihen versehen, gewinnt im Falle Bedürfens bedeutend an Raum durch den ebenfalls 100 Schuhe breiten, 43 Schuhe langen Maler-Saals. Bei Bällen zur Karnevals-Zeit wird das Parterre der Bühne gleich aufgehoben, und in einen ungeheuren Tanz-Saal umgeschaffen. Die Holztheile des Theaters sind mit feuersicheren Anstriche versehen. Meiserlich in ihrer Construierung ist die Maschinerie, und diese einzig in ihren Detail zu nenen. Die künstliche unterirdische, weit sich ausdehnende Beheizung in dem Gebäude geschieht durch Röhren. Die Dachung ist mit Kupfer eingedeckt, und kann kann von Aussen beschritten werden. Die Feuerlösch-Vorichtungen bestehn aus 21 großen und kleinen gefüllten kupfernen Wasser-Reserven, über 1000 Eimer haltend, aus 4 Hauptdruckwerken, aus welchen das Wasser unausgesetzt von den untersten Räumen bis unter und über das Dach getrieben wird.

GRUND-PLAN DES K.HOFTHEATERS.