Lebschèe - Malerische Topographie
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Glyptothek. |
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GLYPTHOTEK.
Die von In- und Ausländern öfters gemachte Vergleichung Münchens mit Athen unter Perikles und mit Florenz unter den Medizeern ist in Hinsicht der Kunst keineswegs unbescheiden: denn, abgesehen von dem, was unter den früheren Regenten von Herzog Albert V. bis König Maximilian I,. ruhmvoll geschehen ist, wird sie schon durch diese erste Schöpfung König Ludwig glorreich gerechtfertigt, welche an Reichthum und Wichtigkeit ihrer antiken und modernen Kunstschätze mit den ersten Museen Europas wetteifert, und durch die Auszierung ihres Lokals mit dem Großartigsten und Prachtvollsten, was die ewige Roma der Art aufweiset, sich gleich stellt.
Der Plan zur Glypthoek ist von dem Herrn Geheimen Ober-Baurath Ritter von Klenze entworfen und ausgeführt worden. Vier Flügel bilden einen inneren, zum Garten bestimmten Hofraum, um welchen sich die Säle ziehen. Die nach dem Platze an der gegen Nymphenburg führenden Straße gewendete Hauptfassade ist 225 Fuß lang, ganz aus Marmor, und hat in ihrer Mitte ein Peristyl von 12 ionischen Marmorsäulen und 4 Pilastern.
Die beiden ersten Säle links vom Eingange sind den Werken egyptischen, etrustkischen und ältesten griechischen Skulptur bis zum Zeitlalter des Phidias gewidmet. Mit dem zweiten Saale steht der dritte, ausschlüssig der auf der Athen gegenüberliegenden Insel Aegina gefundenen, der Epoke des heiligen Styles angehörenden, für die alte Kunst und ihre Geschichte unschätzbaren Sammlung bestimmte, in der engsten Verbindung. Hierauf folgen die Säle der Barberinischen Muse, des Bachus und der Niobiden, deren Inhalt aus Werken der höchsten griechischen Kunst seit Phidias besteht. Die zweite Abtheilung rechts vom Eintritte beginnt mit einem Saale für die Werke der Toreutik und Polychromatik, auf welchen der Saal mit den griechischen Bildnissen, und der sehr große, mit allem, für die ehemalige Weltherrscherin geeigneten, und zugleich ihre sinkende Kunst deckenden, Reichthume der Architektur, ausgeschmückte Römersaal folgen. Den Zyklus beschließt ein für die Werke der neueren Kunst bestimmter Saal, welcher durch vier antike Marmor-Knaephoren von dem Römersaale getrennt ist.
Beide Abtheilungen werden durch zwei Säle verbunden, in welchen man das schöpferische Genie, die hohe poetische Phantasie, den antiken Geist, die vielfältige Orginalität und die großartige Komposition des höchst ausgezeichneten Künstlers Ritter v. Cornelius, des Groß-Meisters der neuen deutschen Schule, nach dessen Cartons, von Theil von ihm selbst, die Fresco-Gemälde aussgefhrt sind, bewundert. Im Göttersaale sind die Reiche des Zeus, des Neptuns und des Pluto, Olympus, Oceanus und Hades, mit allen hiezu gehörigen Göttern und Göttinen ec., unter dem überall vorherrschenden Einflusse des mächtigen Eros, in drei großen Gemälden mit der richtigen Zeichnung, classischen Ausführung und wunderschönen Färbung dargestellt. Auch die vielen übrigen, mit den Hauptgemälden im engsten Verbande stehenden, größeren und kleineren Gemälde in den Nebenfeldern, sowie die Arabesken und Blumengewinde, verdienen das größte Lob. Die würdigen Mitarbeiter von Cornelius, die Herrn Schlotthauer, Professor Zimmermann, Obrisk von Heidegger, Professsor Heinrich Heß und einige jüngere Künstler haben hier das Andenken ihrer Kunsttalente und Fertigkeit verewigt. Die hohen und Flach-Reliefs des zu frühe verstorbenen Hallers, sowie jene von Schwanthaler, welche im reinsten Styl der Antike, mit der größten Zartheit behandelt sind, nehmen die gespannteste Aufmerksamkeit des kunstliebenden Beschauers in Anspruch. Herrn Stiegelmmaiers Verdienst wird dann erst in seinen vollem Lichte erscheinen, wenn die bronzenen Bilder in den äußeren Nischen aufgestellt seyn werden. Noch darf die Pracht des Stückmarmors an den hohen Gewölben und Wänden, der Fußböden von farbigen Marmor und der reichen Vergoldungen nicht unerwähnt bleiben. Der Heroensaal, eigentlich der Saal der Heroen des Trojanischen Krieges, ist noch nicht vollendet, wird aber nach dem, was schon ausgeführet ist, zu schließßen, den vorgehenden von keiner Seite nachstehen.
Von den Herrn v. Klenze und v. Cornelius haben wir ein Werk zu erwarten, welches dieGlyptothek in ihrem ganzen klassischen Werke darstellen wird. Einstweilen geben die vortrefflichen Aufsätze des Herrn Professor Schorn in dem zum Morgenblatt gehörigen Kunstblatte und des Herrn Professor Wagner Bericht über die Aeginetischen Kunstwerke, herausgegeben von Herrn Geheimen Hofrat Ritter v. Schelling lehrreichen Aufschluß.