Lebschèe - Malerische Topographie
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Das astronomische Gebäude |
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DAS ASTRONOMISCHE GEBAUEDE
Bekanntlich wurde im Mittelalter meistens Astronomie mit Astrologie verwechselt, und Nativitätsstellerey als Hauptzweck vorgezogen. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden auf der Hochschule zu Ingolstadt zuerst durch die beyden Apiane Peter und Philipp Bienewitz, reiner Ansichten über Astronimie verbreitet. In der Folge machten sich die Jesuiten und dortige Professoren Christoph Scheiner, Nicasius Grammtici und Georg Kraz um diese Wissenschaft sehr verdient. Schon früher, im 15. Jahrhundert, blühten zu Nürnberg mehrere berühmte Astronomen, unter ihnen Regiomontanus; der große Kepler starb zu Regensburg im Jahre 1630.
Bald nach ihrer Stiftung, im Jahre 1759, erhielt die bayerische Akademie der Wissenschaften den Gebrauch eines Gebäudes außer dem Hofgarten,des sogenannten Rockerls, zu ihren astronomischen Beobachtungen, und im Jahre 1774 wurde auf dem Gasteigberge eine eigene Sternwarte hergestellt, um welche Lambert, von Osterwald und Kennedy sich große Verdienste erworben haben.
Die Brschreibung des neuen, unter König Maximilian !. errichteten, astronomischen Gebäudes liefern wir mit denn Worten des gegenwärtigen Vorstandes Herrn Steuerraths Soldner, mit der durch die Enge des Raumes gebotenen Abkürzung:
»Die eigentliche Sternwarte, im engeren Sinne, besteht aus einem Saale, welcher im Inneren 42 Fuß (zu 129, 38 Pariser Linien) lang, 20 breit, und 14 hoch ist. In diesem Saale stehen in der Mitte ein dreyfüßiger Repetions-Kreis, auf der einen Seite ein sechsfüßiges Passagen-Instrument und auf der anderen ein dreyfüßiger Meridian-Kreis, auch noch eine Uhr, welche für alle Instrumente zugleich dient. An die nordöstliche und nordwestliche Ecke des Saales lehnen sich die Flügelgebäude, welche die Wohnungen enthalten, also an, daß vom Saale aus noch ein Fenster nach Osten und eines nach Westen die Aussicht öffnet. Auf dem Hofe, in den Eckenm welche durch das Saal- und Flügelgebäude sich bilden, stehen zwey Thürme mit Drehkuppeln, welche nur gerade so hoch sind, daß sie über die Dächer der Flügel reichen, und dennoch ganz freye Aussicht gestatten; auf dem einen dieser Thürme befindet sich das Aequatoriale. Sämmtliche Instrumente von seltener Vortrefflichkeit sind von Reichenbach, nur die Uhr hat Liebherrr verfertigt. Da die feste Aufstellung der Instrumente bey astronomischen Beobachtungen von der größten Wichtigkeit ist, so ist hierauf alle erdenkliche Vorsicht verwendet worden. Der Hügel, auf welchem die Sternwarte errichtet ist, besteht oben aus einem Thonlager, dessen Mächtigkeit 10 bis 12 Fuß beträgt, unter diesem ist fester, steiniger Boden, und bis auf solchen ist der Grund ausgegraben worden. Der Fußboden des Saales selbst ward, um Feuchtigkeit zu verhüten, 5 Fuß über den natürlichen Boden erhöht, wodurch unter dem Saale ein hohler Raum von 16 Fuß Tiefe entstand; dieser wurde durch einen in seiner Art grandiosen Block von soliden Mauerwerk ausgefüllt, jedoch so, daß er die Außenmauern des Gebäudes nicht berührt, und man noch zwischen dem Blocke und dem Außenwänden unten zur Noth gehen kann. Auf diese feste und ausgetrocknete Mauermasse wurden die marmornen Pyramiden, jede aus einem Stücke, aufgepflanzt, welche die Uhr und die übrigen Hauptinstrumente tragen. Der hölzerne Fußboden des Saales ruht blos auf der Außenmauer, und berührt das Fundament der Instrumente nirgends. Der Grund der zwey Thürme liegt in der nämlichen Tiefe. Diese Thürme bestehen aus achteckigen, 10 Fuß im Durchmesser haltenden, und 30 Fuß hohen, ganz massiv gemauerten Pfeilern. Der Pfeiler ist wieder von einer Mauer umgeben, aber so, daß dieselbe, vom Grunde aus bis oben, überall 6 Zoll vom Pfeiler absteht, und diese Mauer trägt oben die Kuppel und dessen Fußboden, während die Instrumente allein auf dem ganz isolierten Pfeilern stehen. Die Lage des Observatoriums ist so günstig und frey, als sie in einer ebenen Gegend nur immer seyn kann. Sie steht, nordöstlich von der Stadt, bey dem Dorfe Bogenhausen, auf einer an sich unbekannten Anhöhe, die doch so ist, daß man über die Häuser des Dorfes wegsieht, ohngeachtet die nächsten nur dreyhundert Schritte davon entfernt stehen. Nichts verhindert im ganzen Horizonte, als die hohen Thürme der Stadt, der Kirchthurm von Bogenhausen, und was natürlich unvermeidlich bleibt, die südliche kolosale Gebiergskette, welche jedoch schon neun bis zehn Meilen entfernt ist. «
Im Jahre 1826 haben Bayern und die Welt, die Wissenschaften und besonders die Astronomie einen zweyfachen unersetzlichen Verlust erlitten, am 24 May durch den Tod Reichenbachs und am 7 Juny durch den Tod Frauenhofers. Die zwey Worte auf dem Grabdenkmale des Letzteren »approximavit sidera« sprechen sein so bescheidenes als wahres Lob aus.
Gruithuisens Entdeckungen und Hypothesen, und von Utzscheiders Verdienste um die Optik sind allgemein bekannt. Schubert geniale Ansichten sprechen nicht so Viele, diese aber um si inniger an.