Lebschée - Malerische Topographie
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Nymphenburg. |
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NIMPHENBURG
In einer halbstündigen Entfernung von München, westlich liegt das schöne Dorf Neuhausen, als Nivenhausen schon im zwölften Jahrhundert bekannt, wohin man unter den Schatten einer gutgehaltenen Lindenallee Kömmt. Dieses Dorf enthält eine alterthümliche, dem heil. Nikilaus geweihte Kirche, ein königliche Jagdgebäude und ein Jägerhaus. Wenn der Weg durch die weite Allee, neben dem mit einer vierfachen Reihe hoher Linden umgebenen Kanale (Türkengraben genannt, weil er unter dem Kurfürsten Maximilian Emanuel von gefangenen Türken gegraben worden ist), und den an beiden Seiten desselben von verschiedenen Gewrbsleuten und Arbeitern erbauten Häusern fortgesetzt wird, überrascht den Wanderer der prachtvolle Anblick des, von Neuhausen noch eine halbe Stunde entfernten königlichen Pallastes Nymphenburg.
In früherer Zeit war in dieser Gegend die Hofmark Ober- und Unter-Kemnath; einer Kirche zu Chemenathin, Chemenaten, wird schon in Urkunden des zwölften Jahrhunderts Erwähnung gemacht.
Diese Hofmark kaufte im Jahre 1663 Kurfürst Ferdinand Maria von dem letzten Besitzer, der Familie von Gaßener, und machte seiner Gemahlin Henriette Adelheid von Savoyen, welche ihm im vorhergegangenen Jahr den Kurprinzen Maximilian Emanuel geboren hatte, damit ein Wochengeschenk.
Sogleich beschloß die hochgesinnete, den Künsten mit Kentniß und Liebe ergebene Frau die Erbauung einer Sommerresidenz in dieser Gegend, und noch im nämlichen Jahre wurde der erste Grundstein gelegt. Kaum aber stand der, im guten italienischen Style erbauten Hauptpavillion, als die Kurfürstin den 18. März 1676 starb. Ihr Gemahl, welcher sich von diesem unerwarteten, und ihm unersetzlichen Verluste nie wieder erholte, sich in die Einsamkeit von Schleißheim zurückzog, und schon nach drei Jahren, am 26. Mai 1679, der Unvergeßlichen in die Gruft nachfolgte, setzte den Bau, der ihm nur schmerzliche Erinnerungen darbot, nicht fort. Später wurde solcher, nach der Idee der Verewigten, aber nicht in ihrem Geiste, und mit der reinheit ihres Geschamckes, von dem Sohne, Maximilian Emanuel, und dem Enkel, Karl Albrecht, so viel die mehrjährige Kriege es erlaubten, ausgeführt, und von Maximilian Jodseph durch die Architekten Couvillier, Vater und Sohn, vollendet.
Der eigentliche Pallast besteht aus fünf Pavillions, welche durch Gallerien mit einander verbunden sind. Der Hauptpavillion hat die Höhe von vier, die übrigen von 2 Stockwerken. Der vorherrschende Styl der Architektur ist der altfranzösische (eine Nachahmung des Versailler Schlosses), der jedoch den Beschauer keineswegs unfreundlich anspricht.
Der Vorhof des Pallastes hat die Form eines halben Mondes, welcher durch die Nebengebäude sich in einem vollen Zirkel abrändert, ist 600 Schritte lang, und über 900 Schritte breit. In der Mitte desselben sieht man ein großes Bassin mit einer Fontaine, die zu den größten und schönsten Europa´s gehört. Diese, des Ritter Joseph von Baader Meisterwerk, erhebt sich zu 80, und mit dem einem besonderen Rohre bir zu 90 Fuß. Sie steigt wie eine Kristallsäule empor, und fällt im schönsten Silberstaube breit und reich herab. Die entgegengesetzte Fontaine im Garten ist eben so schön, aber von minderer Höhe.
Der Garten, dessen Flächeninhalt wenigstens eine deutsche Meile beträgt, und welcher ein großes längliches Viereck bildet, ist in einem Birkenwalde angelegt, dessen ursprüngliche Bäume noch in verschiedenen Gartengruppen, auch wohl in Alleen sichtbar sind. Dieser Wald zieht sich außer der Gartenmauer noch über vier Stunden weit, bis nahe an Stahrenberg, weiter fort. Anfangs war der Garten im damaligen französischen Geschmacke angelegt, und die Austheilung im Großen jener des Gartens zu Versailles nachgeahmt. So blieb es bis zur Zeit des Königs Maximilian I. Dieser Monarch, Freund der einfachen Natur, und besonders in ihrem Reiche den erkünstelten Spielerein abhold, hat nicht nur das weite Parterre vor dem Pallaste, in welchem hohe Laubwände und Lauben mit eleganten Blumenbetten mit 8 Schuh hohen Statuen aus weißem Marmor von Margiori, Ausizek, Roman Boos, Groff, Volpimo, und ungeheuren Vasen von dem Drittletzten, mit Kaskaden und Fontainen abwechselnd, sehr vereinfacht, sondern den übrigen großen Umfang in eine sehr schöne englische Gartenanlage mit einem großen See, und unzähligen, höchst angenehmen und freundlich überraschenden Partien umgeschaffen.
Unter den vielfachen Vorzügen dieses Gartens behauptet die Fülle des Wassers den ersten Platz, welches, aus dem Würmsee und das Würmflüßchen hergeleitet, den See, mehrere Teiche, Kanäle und Springwasser ec. reichlich speiset. Durch eine so künstliche als geschwinde Schwellung des Wassers kann man auf dem Kanale den ganzen Garten durchschiffen, weil der entfernte Theil desselben höher liegt als nähere. In den Sehenswürdigen Treibhäusern werden viele merkwürdige und schöne exotische Pflanzen gezogen, worüber des trefflichen Botanikers Sterler "Hortus Nymphenburgensis" vollständieg Auskunft ertheilt.
Nymphenburg war der gewöhnliche Aufenthalt des Bayerischen Hofes unter dem Kurfürsten Maximilian Joseph III., Karl Theodor, und em Könige Maximilian I., wo öfters prächtige Feste mit Beleuchtungen des Gartens, Wasserfahrten ec. gefeyert wurden.
