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Stadtgründungsfest

Lebschèe - Malerische Topographie

Parthie am Grossen See

Blutenburg

an der Würm nächst Nymphenburg.

Thalkirchen

BLUTENBURG
n der Würm nächst Nymphenburg.

Zwischen Ober- und Untermenzing liegt das Königlische Schloss Blutenburg, in der Bayerischen Geschichte des 15. Jahrhunderts in zweifacher Rücksicht merkwürdig. Wiederholte Landestheilungen hatten die unselige Zweitracht der Linien des Hauses Wittelsbach und Bayern Unglück auf den höchsten Grad gesteigert. Nicht nur dauerte der tödtliche Haß zwischen dem hochherzigen, aber gewaltthätigen Ludwig dem Bartigen von Ingolstadt und dem Schlimmsten aller Wittelsbacher, Herzog Heinrich dem Reichen von Landshut, mit fürchterlichen Ausbrüchen beiderseits steigenden Ingrimms, ununterbrochen fort, sondern auch die friedfertigen Herzoge von München, Ernst und Wilhelm, waren in die landesverderbliche Fehde hineingerissen worden. Beiderseits wurde in der am 10. und 20. September 1422 erfolgten Schlacht von Ulling mit der größten Erbitterung gestritten, und bei Menzingen so viel Blut vergossen, daß das Schloss hievon den Namen Blutenburg erhalten hat. Die Münchner erfochten den vollständigen Sieg, die Ingolstätter wurden auf allen Seiten zurückgeschlagen, eine große Anzahl verlor das Leben, über 80 aus den ersten Geschlechtern und gegen 300 Ritter fielen in Gefangenschaft. Zum dankbaren Andenken dieses Sieges baute Herzog Ernst die Kapellen zu Hoflach und Menzing.

Freundlicher lächelt das Schicksal dem Schlosse Blutenburg in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Nach Herzog Albrecht III. Tode, 1460, regierte dessen zweitgeborener Sohn Sigismund mit dem erstgeborenen Johann gemeinschaftlich, und als dieser am 18. November 1463 zu Haishausen an einer Seuche, gegen welche er dort Rettung suchte, unvermählt gestorben war, bis zu Jahre1645 allein. Am 16. September des oben genannten Jahres nahm er den drittgeborenen, Albrecht IV., zum Mitregenten an, trat endlich den 3. September 1467 demselben die Regierung, unter Vorbehaltung einiger Gerechtsame, vollkommen ab, und in den frohen Genuß des ruhigen Privatlebens zurück. Unter den vorbehaltenen Schlößern war Sigismund dem zu Menzingen, Blutenburg, mit besonderer Vorliebe zugethan; er vollendet den Bau desselben und bewohnte es die meisten Jahre seines übrigen Lebens (Aventin sagt: hauste allda bei 36 Jahr) bis zu seinem den 1. Hornung 1501 erfolgtem Tod. Er blieb unvermählt, erzeugte aber mehre Söhne (Hanns Pfättendorfer zu Egenhoven, Sigmund Pfättendorfer ) und Töchter. Ritterliche Minne pflog er mit einer adeligen Dame, welche seine Zärtlichkeit mit den Reimen erwiderte:

»In diser Farb, schwarz, rott und weis mit ganzem fleiß,
Und sein Nam ist S (igmund) ein H (erzog).«

Diese Farben trug er Zeit Lebens in seinen Kleidern; doch kurz vor seinem Tode ließ er sich einen Franziskankerhabit anziehen, in welchen er auch starb und begraben wurde.

Das Schloß Bluternburg, im dreißigjährigen Kriege größtentheils verwüstet, verödet und beihnahe ganz eingefallen, wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts von dem Kurfürstlichen Geheimen Rathe, Freiherr von Berchem, neu erbauet, und außer dem äußeren Thore und den vier Thürmen keine Überreste alter Herrlichkeit mehr aufzuweisen. Hingegen ist die noch ganz alterthümliche Kapelle mit ihren drei Altären und dem Sakramentshäußchen von Schnitzarbeit (die Altargemälde sind neu) und mit den gut erhaltenen Glasgemälden der Fenster, auf welchen die Passion und oberhalb die Wappen Kaiser Ludwig des Bayern, dann von Bayern, Pfalz, Holland, Visconti, Oesterreich, Ungarn, Frankreich ec abgebildet sind, sehenswürdig. An der hinteren Wand links ist eine Tafel mit Abbildung der Heilgthümer zu Andechs befestigt. Unter denselben knien rechts: Herzog Sigismund in einem langen mit Pelzwerk ausgeschlagenen Kleide mit einer schwarzen, mit Gold verzierten Haube, neben ihm das bayerische Wappen, oberhalb die Jahreszahl 1495, links Abt Johann von Andechs im Pluvial mit Insel und Stab, neben ihm das Klosterwappen.