Thalkirchen

Denkmal für Georg Elser

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Lebschèe - Malerische Topographie

Blutenburg

Thalkirchen.

Hartmannshof

Talkirchen

Thalkirchen

Mentherschwaige Karwendelgebirge Großhesselohe Herzogenstand

Schon bald nach der Menther-Schwaige, Harlaching gegenüber, bei Maria-Einsiedel, fängt der reisende Isar-Strom an, sein wildsteiles, sandiges Ufer auf beiden Seiten zu verlassen, und sich in einer fruchtbaren Ebene auszubreiten, in welcher das Dorf Thalkirchen gleichsam die Vorhut von der, in so großer Fläche prachtvoll ausgedehnten Hauptstadt des Königreiches bildet, während sie die nacheinander folgenden Dörfer Ober-, Mitter- und Unter-Sendling von den sanft sich zurückziehenden Höhen beherrschen. Der Ort ist übrigens alten, religiös-historischen Ursprunges.

In der Fehde, welche Herzog Stephan I. von Bayern-Landshut in Folge der, bereits unter seinen Vater, Ludwig dem Brandenburger, angefangenen Zwistigkeiten mit den Reichsstädten, besonders mit Augsburg, zugeführt hat, waren des Herzogs vorzügliche Kampfgenossen die tapferen Christian und Wilhelm Frauenberger zum Haag. Diese sind den Augsburgern eine Zeit lang hart zu Leibe gegangen, und haben ihnen gar viele erschlagen, bis der Bayern tapfere Streiter endlich doch weichen, und an die Gestade des Isar-Flußes fliehen mußten. Da die Reichsstädischen den Frauenbergern bis oberhalb München an den Platz, wo jetzt Thalkirchen steht, nachzusetzen wagten, und diese hier mit ihren Kriegs-Völkern etwas in die Klemme kamen, so haben letztere, das Gelübd gethan, zur Ehre der Gottes Mutter ein Kloster mit einer Kirche zu bauen, im Falle sie diesmal gerettet würden. Vertrauensvoll sprengte darauf die muthige Schar mit Roß und Mann in den unsicheren Strom, erreichte glücklich das jenseitige Ufer, und wurde so augenscheinlich durch höhere Macht aus dieser drohenden Gefahr befreit.

Dankbar ward hierauf vorläufig die Kirche in diesem Thale von Grund erbaut im Jahre 1372, wie die am inneren Chorbogen befindliche Schrift, Jahrzahl und Wappenbeurkundet, und hienach die Benennung geschöpft. Auch hinter dem Choraltar ist an einem Fenster das Fraunberg'sche Wappen, ein weißes Rößlein, im Farben-Schmelz ersichtlich. Zu dem stellen sowohl die Kriegs-Szene an der Isar, asl den BAu der Kirche zwei, bei der vierhundertjährigen Jubiläums-Feier in derselben auf beiden Seiten aufgehangene Gedächtnistafeln bildlich dar. Die erichtung des Klosters selbst, wozu wirklich schon einiges Geld verordnet worden, sollte indeß bis zur Zurückkunft des, i. J. 1396 unternommenen Heeres-Zuges ausgesetzt bleiben, in welchen der edle und tapfere Heer Christian Frauenberger mit Pfalzgraf Ruprecht, auch viele vom bayerischen Adel, dem König Sigismund von Ungarn wider die Türken zu Hilfe gezogen. Allein ersterer ist mit mehreren anderen daselbst vor dem Feinde geblieben, sohin nicht wieder in das Vaterland zurückgekommen, weshalb auch der zweite Theil des Gelübtes nicht mehr erfüllt werden konnte.

Obwohl nun diesem noch die Frauenberger die ersten Stifter dieses schönen Gottes-Hauses zu Thalkirchen, auch Lehenherrn des Meßstiftung daselbst sind, (noch ist ihr Familien-Wappen an Kelch und Meßgewand ersichtlich) so wollte doch i. J. 1459 Pfarrer, Kirchenprobst, und Gemeinde solche Stiftung aus ihrem eigenem Gute aufgerichtet haben, daher sie mit Herrn Sigmund von Frauenberg in Streit gekommen, welcher sich aber zu seiner, und seiner jetzt noch blühenden Nachkommen Gunsten geendet hat.

Auf dem nebst Mittersendling zu der Pfarrei Untersendling gehörigen Kirchhofe in Thalkirchen sind noch mehrere alte Grabsteine von Sendlingern Kirchherrn.

Beinahe ein halbes Jahrhundert ist seit der wunderthätigen Hilfe an diesem Orte durch Vorbitte bei Gott in das Meer der Vergangenheit hinabgesunken, ohne daß das kindliche Vertrauen der innigen Verehrer von Gottes Mutter, Bayerns Beschützerin, in ihren Herzen noch jetzt geschwächt erscheint, indem das ganze Jahr hindurch, vorzüglich aber zur Herbstzeit, (während des sogenannten Frauendreißigst) die ganze andächtige Bevölkerung Münchens den, zugleich angenehmen Spaziergang nach Thalkirchen wandelt, dort frommen Gemüths so manche Linderung, oder Befreiung in heimlichen Nöthen und Bedrängnissen zu suchen, und zu finden.