Lebschèe - Malerische Topographie
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Die Ruinen einer Kapelleauf der Insel Wörth im Würmsee |
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DIE RUINEN EINER KAPELLE
auf der Insel Wörth im Würmsee
Die Insel, zum Unterschiede von den äußeren Wörth der innere genannt, ohngefähr 500 Schritte vom Lande entfernt, mit dem sie vor ein paar tausend Jahren zusammengehängt haben mag, da ihr die nämlichen Bestandtheile eigen sind, bildet beinahe ein gleiches Viereck, 8 - 100 Schritte im Umfange. Sie erzeugt alle Nothdürftige zur Lebsucht für den genügsamen Bewohner; Gedreid, Gemüs, Obst, Gras, in voller Ueppigkeit zwar, aber, versteht sich, spährlich, daher derselbe Fischfang auch durch Fischfang für sich und seine Familie sorgen muß. Das Bauerngütchen, ursprünglich ein Rittersitz, gehört zur Herrschaft Possenhofen und zur Pfarrei Feldafing, ist vom ersterem, beinahe gegenüberliegenden Schlosse ¼, von dem aufwärts folgenden Garatshausen ½ Stunde entfernt. Schon bei der Wasserfahrt von Possenhofen nach dem inneren Wörth bemerkt man doppelte Reihen von Pfählen, bräunlich, hart, jedoch lange nicht versteinert, die Zeihen von Zerstörung an sich tragend. Es sind die deutlichen Spuren einer Brücke, deren einst sogar zwei vom festen Lande dahin geführt haben sollen. Nebst dem gemauerten reinlichen Hause befindet sich auch in einiger Entfernung von diesem ein uraltes, bis auf die Hauptmauern zerstörtes Kirchlein, welches dem Ganzen ein mystisches Wesen aufdrückt. Dasselbe hat einen engen gotischen Eingang, ist in die Geminkirche, und durch einen Bogen in den Chor für das Allerheiligste getheilt, durch eine einzige Fensteröffnung obern nordwärts mit ehrwürdiger, das fromme Gemüth zur Andacht stimmenden Dämmerung begabt, kaum 100 Menschen fassend. Volkssagen bezeichnen es einstigen heidnischen Tempel, später als berühmte christliche Wallfahrt. Obwohl von dicken Quader- und Duftsteinen erbaut, ward durch das feindliche Schwedenvolk Brücke und Kirchlein zertrümmert. Letzteres liegt noch unversehrt in seinen urspünglichen Ruinen, während wildes Gesträuch, und über dieselben strebende Bäume eine dichte schauerliche Umgebung bilden. Den ausgegrabenen Menschen-Gebeinen nach zu schließen, ist auch ein Begräbnißplatz da gewesen. Urkunden hierüber mangeln gänzlich.
Die größte Schönheit dieser Insel, sagt der hievon bezauberte seel. von Westenrieder, besteht darin, daß die Kunst noch nichts gethan hat, sie zu verschönern. Man fühlt sich hier, abgeschieden von den schnöden Treiben der Menschen, in Mitte der reizendsten Naturschönheiten aller Art, in überirdischen Empfindungen aufgelöst, erblickt das, was sonst die regste Phantasie des Dichters mit so vielem Entzücken und den gewähltesten Farben zu besingen pflegt, mit eigenen Augen. Groß genug wäre dieses einsame Eiland, um darin irgend einenn Kummer zu begraben, bei dem es nicht erlaubt ist, sich um Hülfe oder Mitleiden an die ohnedies hiefür gefühllose Welt zu wenden; groß genug, zwei Glückliche aufzunehmen, und vor den Verfolgungen des Neides zu verbergen, bis in der Schwärmerei ihrer Seele nichts bedürfen, als sich selbst, nichts wünschen, als eine einsame, mossebedeckte Hütte, Feld und Gärtchen, und — eheliche Zufriedenheit!