Erstes Kapitel
Von der Stadt Lage, Ursprung und Gestalt
Seit die gute Stadt München am 17. Mai des Jahres 1632 den siegreichen Schwedenkönig Gustav Adolf in ihren Mauern einziehen sah, hat sie von einem Witzwort desselben mehr als genug zu leiden gehabt.
Der König kam von Ismaning her geritten und als er von dem nahen Gasteigberg herab die schönen Stadt zu seinen Füssen liegen sah, meinte er, sie gleiche einem goldenen Sattel auf dürrer Mähre. So ganz unrecht hatte er mit diesem Vergleich allerdings nicht, denn die ganze Gegend vom Gasteig- bis zum Neuhauserberg war ursprünglich wohl ein verlassenes Flussbett gewesen und noch heute sind manche Strecken nur mit einer dünnen Schicht Sand bedecktes Geröll. Und zudem kam der König aus Stockholm, dessen wunderbar schöne Lage weltberühmt ist. Auch mögen die Krautäcker und Felder um die Stadt der Kriegsläufte halber nicht zum Besten bestellt gewesen sein.
Vor hundert Jahren und drüber dagegen paßte der Vergleich schon viel weniger, obschon sich das Land von beiden Seiten der Straße nach dem kurfürstlichen Lustschlosse Nymphenburg und die sogenannten Kammerherrn-Jagden als wahre Haide erwiesen. Daneben aber fehlte es damals in der nächsten Nähe der Stadt ebensowenig an schönen Wiesen und Feldern als es heute daran fehlt. Und Kurfürst Ferdinand Maria forderte einstmals seinen Verwalter im nahen Schleißheim zum Bericht darüber auf, warum er in einem gewissen Jahre nur13000 Schafe gehalten habe, da doch sonst 15000 gehalten worden wären.
Mit Wien freilich, mit Dresden und mancher anderen deutschen Residenz kann sich München in Bezug auf die Schönheit der Lage nicht messen, wenn auch nirgends der Horizont so schöne Linien aufzuweisen hat als der Münchener, den die Alpen so herrlich begrenzen. Aber darum war es auch dem Herzog Heinrich dem Löwen gar nicht zu thun, als er im Jahre 1158 den reichen und blühenden bischöflichen freisingischen Markt sammt Schloß, Münzstätte und Isarbrücke zerstört hatte und an der Stelle des heutigen Münchens, wo sich einige Mönche aus Schäftlarn, wahrscheinlicher aus Tegernsee, niedergelassen, eine neue Salzniederlage sammt Münzstätte und Zollhaus und eine Brücke über die Isar baute.
Das aber war so gekommen: Der Freisinger Bischof Otto, ein Enkel de Kaisers Heinrich IV. und sein Stiefbruder Kaiser Konrad IV., hatte sich 1140 in Vöhring Salzniederlage und Zollstätte errichtet und sich so den ganzen inneren Handel Bayerns, besonders den mit Salz von Reichenhall nach Franken, Schwaben und bis nach Burgund hinein zinsbar gemacht. Solches hatte Heinrich nicht ruhig hinnehmen und sich endlich nach langem Hin- und Herstreiten selber Recht verschafft.