Münchner Stadtbuch
IX.
Die Münchener Bäcker in der Schlacht von Mühldorf.
1322.
Es war am 28. September 1322, als auf der weitern Vehenwiese zwischen Ampfing und Mühldorf die Entscheidungsschlacht zwischen Kaiser Ludwig dem Bayer und Friedrich dem Schönen von Oesterreich statt fand, die zum Vortheile des Kaisers endete.
In dieser Schlacht geschah es, wie die Sage erzählt, daß als der Kaiser mit persönlicher Tapferkeit in dem Kampf verflochten war, sein Pferd von Pfeilen durchbohrt zusammenstürzte, und den Kaiser mit sich zu Boden brachte. Von den Oesterreichern umringt, war er in augenscheinlichster Gefahr, gefangen genommen zu werden; da eilten die Bäckerknechte von München rasch herbei, schlugen die andringenden Feinde zurück und befreiten den Kaiser aus der Gefahr, so daß er ein anderes Pferd besteigen und sich zu den Seinigen zurück begeben konnte.
Zur Belohnung für diese muthige That verlieh der Kaiser der „Bäckerbruderschaft“, wie sie damals hieß, die Erlaubniß, auf ihrer Standarte den kaiserlichen Adler führen und diesen Adler auch bei ihren gottesdienstlichen Feierlichkeiten anbringen zu dürfen, worüber sie einen eigenen Freibrief erhielten. Zugleich erhielten sie zum Lohne für ihre Bewiesene Tapferkeit vom Kaiser ein Haus im Thale zu München neben der Hochbrücke, welches gegenwärtig Nr. 15 führt, zum Geschenke. Dieses Haus führte von nun an den Namen „Bäckerbruderschafts-Haus,“ und es diente fortan nicht nur als Bäckerherberge, sondern der älteste Bäckerschießer von München, war er gebrechlich und arbeitsunfähig, fand darin jederzeit freie Unterkunft und Verpflegung auf Lebenszeit.
An diesem Hause befand sich früher ein Freskogemälde, darstellend wie Kaiser Ludwig den Bäckern den Freibrief übergibt, ferner Wappen und nachstehende Reime angebracht:
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„Kaiser Ludwig der
theure Held,
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Rechts standen folgende Reime:
| Als man eintausend
dreihundert Jahr Und zwei und zwainzig zählen war, Nach der Geburt Christi hinfort, Hat sich begeben an dem Ort, Weil die Stadt noch war schmal und klein, Stand an der Stätt´ein Linden sein. Gar oft die Bäckerknecht befunder Hielten ihr Versammlung darunter, Brachten ihren Rathschlag zu Hauf, Ein Bruderschaft zu richten auf. In der Ehr unser lieben Frauen, Thäten die Sach fleißig anschauen, Legten die Ding dem Kaiser für, Und als er verstand ihr Begier Bewilligt er ihnen herzlich gern, Thät sie auch noch dazu hoch verehr´n, Als der ihn´n so vergünstigt war, Dieweil sie ihn aus der Gefahr Erst in der Schlacht errettet haben, Ließ ihnen bauen das Häuslein klein, Gab ihnen Brief und Siegel drein, Vergunnt ihnen auch daneben ehrlich Zu führen des Reiches Adler herrlich, Den sonst kein Handwerk führen darf, Ob es gleich künstlich und scharf. So thät die Bruderschaft bauen Zum Lob Gottes und unser Frauen, Und sich hernach erstrecken thät Bis auf dreihundert Märkt und Städt. |
Die Bäckerbruderschaft in München soll nämlich ihren Zunftverein auf dreihundert Städte und Märkte ausgedehnt haben.
Links nachstehende Verse:
| Als man zählt
eintausend dreihundert Und zwei und zwanzig noch befundert, Nach Christ Geburt auserwählt, Thät regieren der theure Held Kaiser Ludwig ganz offenbar, Ein frommer Fürst von Bayern war. Wider ihn zog gewaltigleich Herzog Friedrich von Oesterreich Mit einer großen Heeresmacht. Bei Mühldorf da geschah die Schlacht, Unglück thät ob dem Kaiser schweben, Den Feind hätt ihn gar hart umgeben, Da solches die Bäckerknecht ersahen, Thät sie sich dem Kaiser nahen, Trieben mit ihrer Gegenwehr Zurück das österreichische Heer, Und erretteten den Kaiser bald, Gewunnen die Schlacht mit großer Gewalt. Darauf der Kaiser ihnen mit Zier Den Adler setzet in ihr Panier. Bestätt ihnen auch mit großer Kraft Unser lieben Frauen Bruderschaft Baut ihnen zu München auch zumahl Ein Haus, welches liegt in dem Thal, Hängt an der Hochbruckmühl daneben. Gott gab dem Kaiser das ewig Leben, Wünschen all Bruder und Schwestern eben. |
Leider sind sowohl die Freskogemälde als auch vorstehende Reime durch die Unbild und den Unverstand neuerer Zeit verschwunden.