Stadtgründungsfest

Münchner Stadtbuch

XIV.

Das Haus der Schymelin. 1391

Der Bürgeraufruhr im Jahre 1385 — Die Jakobi-Dult. 1392

Wie wir bei der vorstehenden Erzählung über den Bürgeraufruhr im Jahre 1385 gelesen haben, mussten die Bürger von München den Herzogen einen eigenen Durchgang aus der Burggasse in die Graggenau gestatten, wozu der sogenannte Schlichtingerbogen mit einem nun abgebrochenen Thürmlein erbaut wurde. Das Haus Nr. 11 in der Burggasse, zu welchem dieser Bogen gehört, soll der Sage nach in alten Zeiten der herzogliche Marstall gewesen sein; Kaiser Ludwig verpfändete es aber an Ulrich den Snitzer, Bürger in München. Konrad der Preisinger, Hofmeister des Herzogs Friedrich, löste dieses Haus von dem Pfandbesitzer aus, worauf unterm 24. Aug. 1385 die Herzoge Stephan, Friedrich und Johann es diesem Konrad Preisinger übergaben. Im Jahre 1391 verkaufte Konrad der Preisinger das Haus an Otto Schymel, Bürger von München.

Otto Schymel errichtete nun in diesem Hause eine Schenkwirthschaft oder Gaststube, und zugleich in dem ihm ebenfalls gehörigen Hause in der Lederergasse – heut zu Tage Hausnummer 25 – ein Bad, welches von nun an mehrere Jahrhunderte lang unter dem Namen des „Thürlbades“ bestand. Dieses Gasthaus, wahrscheinlich ganz in der Behäbigkeit – wie wir heute sagen würden, dem Comfort – der damaligen Zeit eingerichtet und wohl mit Imbiß und gutem Labetrunke versehen, wurde bald die beliebteste Einkehr der Bürger, der Geschlechter und der Ritter. Noch mehr erhob es sich nach dem nicht lange nachher erfolgten Tode des Otto Schymel , wo es seine Wittwe Adelheid Achymel die Gastwirthschaft ausübte. Ihr half in der Wirtschaft ihre Enkelin, eine Tochter ihres Sohnen Hans Schymel, ein holdes liebliches Mädchen, deren Taufname uns leider nicht erhalten ist.

Aber nicht nur die Bürger und die Edlen Münchens besuchten gerne dieses Gasthaus, sondern auch die bayerischen Herzoge kehrten daselbst häufig ein, verweilten dort im Gespräch und bei Speise und Trank stundenlang, und schienen sich gerne an den lieblichen Augen der schönen Enkelin zu weiden.

Herzog Ludwig im Bart von Ingolstadt, ein schöner, geistvoller und freudiger Jüngling, einschmeichelnder und gewandter Sitten, der herablassend mit dem Volke verkehrte und mit den Bürgerinnen und deren Töchtern auf dem Markte oder auf der Trinkstube tanzte und daher der Liebling der Münchener war, pflegte jederzeit, so oft er nach München kam, bei der Adelheid Schymlin zuzusprechen und einzukehren. Ebenso war dieses Gasthaus der Lieblingsaufenthalt der Herzoge Stephan und Wilhelm. Nach des damaligen Bürgermeisters Georg Katzmaier Erzählung über die Unruhen in München in den Jahren 1397 bis 403, die er als Augenzeuge und Mittheilnehmer aufzeichnete, und deren wir in einem der nächstfolgenden Abschnitte ausführlicher erwähnen müssen, traf genannter Katzmaier, welcher von der Bürgerschaft in ihren streitigen Angelegenheiten an die Herzoge abgeordnet war, die beiden Herzoge Stephan und Wilhelm „bei der Schymlin“ an, wo sie an dem einen Tische saßen und aßen, während die herzoglichen Räthe Warmund von Pienzenau und Albrecht von Danheim an dem anderen Tische saßen. Von diesem Gasthause aus wurden die bezüglichen Verhandlungen mit dem Herzoge Ernst gepflogen, der sich in der alten Veste (dem alten Hofe) befand.

Besonders aber schein Herzog Wilhelm von den Reizen der schönen Wirthsenkelin gefangen worden zu sein und mit ihr ein Liebesverhältniß gepflogen zu haben, das nicht ohne Folgen blieb, indem sie ihm einen Knaben Konrad gebar, der nachmals den Namen Konrad von Egenhofen führte und von seinem Vater, dem Herzoge Wilhelm das Schloß Planegg zum Geschenke erhielt. Die weiteren Lebensverhältnisse dieser Geliebten des Herzoges sind unbekannt; ihr Vater aber Hans Schymel, der Sohn der Adelheid Schymel, wurde zum herzoglichen Zöllner in Wasserburg ernannt.

Adelheid Schymel verkaufte später dieses Haus und die Freiberg.

Im Jahre 142 stifteten Adelheid Schymel und ihr Sohn Hand der Schymel ein ewiger Licht und eine Messe am Altare des heil. Sebastian, des heil. Sirtus und der heil. Agnes in der alten Frauenkirche, welche Stiftung der Bischof Nikodemus von Freising im Jahre 1440 bestätigte. Von dieser Zeit an hieß dieser Altar der Schimmel=Altar. Dieses Meßbenefizium ging nach Erbauung der jetzigen Frauenkirche in dieselbe über, woselbst es bis zum Jahre 1844 verblieb, in welchem Jahre es zur Verbesserung der Dotation der neuerbauten St. Ludwigskirche in dieselbe transferirt wurde und daselbst noch gegenwärtig fortbesteht.

Der Bürgeraufruhr im Jahre 1385 — Die Jakobi-Dult. 1392